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autofreies Wohnen auf dem Gelände des ehemaligen Alten Schlachthofes Eldenaer Straße / Alter Schlachthof - aus politischen Gründen verhindert, derzeit Versuch einer konventionellen Realisierung - Steckbrief Text: A. Koerdt, Überarbeitung & Aktualisierung: M. Heller Text downloaden (ohne Plan/Fotos): Eldautofrei.rtf (24 KB) Zusammenfassung
ZusammenfassungLage, ÖPNV-Anbindung: Das Gelände des ehemaligen Schlachthofes ist durch die S-Bahnhöfe Landsberger Allee und Storkower Straße sowie durch mehrere Bus- und Straßenbahnlinien sehr gut erschlossen.
Aktueller
Stand:
Mittlerweile wurde mit einer konventionellen Bebauung - zu billigeren Grundstückspreisen - begonnen. Entwicklung und Vermarktung verlaufen trotzdem sehr zögerlich, vermutlich, weil dem Quartier nun ein "Alleinstellungsmerkmal" fehlt.
Realisierungschancen:
LageSeit 1991 gibt es Überlegungen zur Bebauung des ehemaligen Vieh- und Schlachthofgeländes an der Eldenaer Straße im Bezirk Prenzlauer Berg. Zunächst war dort im Konzept für die Olympischen Spiele die Unterbringung der Medienvertreter geplant. Am 22. Juni 1992 wurde das 50 ha große Gebiet vom Senat als förmlicher Entwicklungsbereich festgelegt. Im November 1992 wurde die Stadtentwicklungsgesellschaft Eldenaer Straße (SES) als Entwicklungsträger eingesetzt. Initiierung1993 fand in Berlin eine Informationsveranstaltung über das Projekt "Wohnen ohne (eigenes) Auto" in Bremen Hollerland statt. Dem vortragenden Herrn Richter gelang es auf dieser Veranstaltung offensichtlich, die Anwesenden für die Idee des autofreien Wohnens zu begeistern. Unterstützt von der Bezirksverordnetenversammlung des Bezirks Prenzlauer Berg setzte sich fortan eine ortsbezogene Initiative für die Realisierung eines Projektes zum autofreien Wohnen auf dem Schlachthofgelände ein. Aus dieser Initiative ging 1994 der später in Stadtviertel e.V. umbenannte Verein Leben ohne Auto e.V. hervor. Stufenplan - WettbewerbParallel dazu entwickelte Frau Peschel bei der Senatsverwaltung für Bau- und Wohnungswesen einen Stufenplan für die Realisierung eines autofreien Projektes auf dem Standort Eldenaer Straße. Auf Drängen der Bezirksverordnetenversammlung wurde erreicht, daß die Forderung nach einer autofreien Variante in die Ausschreibungsunterlagen des 1993 veranstalteten städtebaulichen Wettbewerbs aufgenommen wurde. Der siegreiche Entwurf sah eine konventionelle Bebauung vor, die jedoch in einem ca. zwölf ha großen Bereich auch eine autofreie Realisierung ermöglicht hätte. Geplant war die Errichtung eines nutzungsgemischten Quartiers mit Wohnen, Handel, Gewerbe, Dienstleistungen, sozialer Infrastruktur und Grünflächen. Bis zum Jahr 2004 sollten in 4- bis 6-geschossigen Gebäuden 2.250 freifinanzierte Miet- und Eigentumswohnung, 5.000 Arbeitsplätze und soziale Infrastruktureinrichtungen entstehen. Darüber hinaus war die Anlage eines mindestens zehn ha großen Parks geplant. Im Laufe des Jahres 1994 gelang es dem Leben ohne Auto e.V. 300 Interessenten für eine autofreie Wohnung auf dem ehemaligen Schlachthofgelände zu finden. Symposium - SenatsstudieAm 4. Mai 1995 wurde vom Entwicklungsträger ein Symposium zum Thema autofreies Wohnen veranstaltet. Sowohl der Bezirk Prenzlauer Berg, als auch die beiden zuständigen Senatsverwaltungen (Bauverwaltung und Stadtentwicklungsverwaltung) befürworteten zum damaligen Zeitpunkt offiziell die autofreie Konzeption und bezeichneten sie als beispielgebend. Auch in der Hauszeitschrift der Senatsbauverwaltung wird das Projekt gerühmt. "Eine neue Qualität des Wohnens und der Kommunikation zwischen den Bewohnern kann sich entwickeln." Die von der Senatsbauverwaltung in Auftrag gegebene zweiteilige Studie aus den Jahren 1995/96 bestätigte die Eignung des Standortes für ein autofreies Wohnprojekt. Aufgrund der innerstädtischen Lage, der Nähe zum Stadtzentrum (4 km bis zum Alexanderplatz), seiner Lage im Einzugsbereich von mehreren S-Bahn-, Straßenbahn- und Buslinien und der günstigen eigentumsrechtlichen Situation wurde dieser Standort als gut geeignet eingestuft. autofrei-PlanungIm August 1996 präsentiert der Verein Leben ohne Auto e.V. einen autofreien Entwurf für einen Teilbereich des Entwicklungsgebietes. Dieser Entwurf sieht den vollständigen Verzicht auf Stellplätze innerhalb des Bereiches vor. Die Stellplätze für Gewerbe, Car-Sharing und Besucher sollten in einer Quartiersgarage sowie in Gewerbehöfen am Rand des Gebietes untergebracht werden. Für die angrenzenden Quartiere sah das Konzept eine flächenhafte Verkehrsberuhigung und striktes Anwohnerparken vor. Um die Beeinträchtigung der Wohnqualität durch angrenzende Straßen zu vermeiden und die Verbindung zur geplanten Grünfläche nicht durch eine stark befahrene Straße zu unterbrechen, wurde der geplante Ausbau der Fußgängerbrücke über die S-Bahn für den Autoverkehr abgelehnt. Lageplan Verkehrskonzept 05. August 1996: Modellfotos Modellfoto 2: Modellfoto 3: politischer WiderstandDoch während die Planungen konkreter wurden, formierte sich zunehmend politischer Widerstand gegen das Projekt. Der Versuch eine senatsübergreifende Arbeitsgruppe unter Federführung der Senatsbauverwaltung zu initiieren scheiterte an Widerständen der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Umweltschutz und Technologie. Die Führung der Senatsbauverwaltung stand der Idee spätestens nach den Landtagswahlen im Herbst 1995 ablehnend gegenüber. Auch der Entwicklungsträger zeigte sich skeptisch. Er bezweifelte die Realisierbarkeit des Konzeptes und machte die Umsetzung daher vom Votum der Investoren abhängig. Der Entwicklungsträger schloß sich damit der Haltung des Senates an, der sich zu diesem Zeitpunkt noch offiziell offen für die Idee des autofreien Wohnens zeigte und in dem Wissen um das Fehlen entsprechender Investoren die Realisierung des autofreien Projektes von der Interessenbekundung einer ausreichenden Zahl von Investoren abhängig machte. Trotz entsprechender Forderungen und einer inzwischen 700 Namen umfassenden Interessentenliste wurde in den Ausschreibungsunterlagen zu dem im Sommer/Herbst 1996 durchgeführten Investorenauswahlverfahren die Möglichkeit einer autofreien Entwicklung nur mit einem Satz am Rand angesprochen. In diesem Satz wird darauf hingewiesen, daß im Rahmen des Programms "Autoarmes Wohnen" Abweichungen von der Stellplatzpflicht (zum Zeitpunkt des Investorenauswahlverfahrens bestand in Berlin noch eine Stellplatzpflicht) bis zu einer Zahl von 0,125 Stellplätzen je Wohnung möglich seien. Autofreies Wohnen wurde nicht direkt erwähnt, geschweige denn zur Bedingung erklärt. Aufgrund der uneindeutigen Ausschreibungsbedingungen meldete sich nur ein Investor, der Interesse an der Realisierung autofreier Quartiere äußerte. Dienstanweisung: Stop autofreiIm September 1997 ordnete Ingo Schmitt, Staatssekretär bei der Senatsverkehrsverwaltung, mit einer internen Anweisung die Einstellung aller Planungen zum autofreien Wohnen in der Eldenaer Straße an. Diese Anweisung galt jedoch auch für ganz Berlin. Als Gründe dafür wurden Vermarktungsprobleme im freifinanzierten Wohnungsbau und Probleme bei der Erschließung mit öffentlichen Verkehrsmitteln genannt. Der autofrei-Investor zeigte an einer konventionellen Entwicklung jedoch kein Interesse und zog sein Angebot daraufhin zurück. HeuteAm 1. Juli 1999 haben alle fünf Bebauungspläne für das Entwicklungsgebiet (Bebauungspläne IV-2a bis IV-2e) materielle Planreife erlangt. Die vom Senat erstellten Pläne sehen eine konventionelle Erschließung vor. Die in Entwürfen vom August 1997 noch vorgesehenen verkehrsberuhigten Bereiche sind durch konventionelle Verkehrsflächen ersetzt vor. Die Thaerstraße ist als Durchgangsstraße konzipiert. Am 18. und 19. Mai 1999 wurden Kaufverträge mit zwei Investoren abgeschlossen. Zum Jahreswechsel 99/00 wird mit den Baumaßnahmen für die ersten Wohnbauten begonnen. Die Möglichkeit der Realisierung eines autofreien Neubaugebietes an diesem Standort ist damit praktisch nicht mehr gegeben. "Das
Projekt Eldenaer Straße ist allenfalls beredtes Beispiel dafür,
Links SenatsplanungEntwicklungsgebiete: Eldenaer Straße / Alter Schlachthof (Stand: 26.05.2004) www.alter-schlachthof-berlin.de Presse31.12.2002, Die Welt: Verwertbare Konzepte für den alten Schlachthof sind rar | SES mit einem Minus von 15 Millionen Euro (Kurzbericht über die Entwicklungsgeschichte; vergl. auch: Teurer Abschied von Illusionen - Beim Umsteuern der städtischen Entwicklungsgebiete hat Adlershof die besten Chancen) 28.05.2002,
Der Tagesspiegel:
11.01.2001,
Der Tagesspiegel:
01.03.1999,
Berliner Zeitung:
30.09.1997,
Berliner Zeitung:
12.12.1996,
Berliner Zeitung:
Heutige Erfahrungen von autofreien Neubau-Projekten bestätigen dies nicht: Das Thema Wertminderung war fast nirgends thematisiert worden. Eigentlich überall und von allen Beteiligten - den Investoren autofreier Gebiete und auch Banken und Baufinanzierern - wird jetzt gesehen, daß die erhebliche Aufwertung des Wohnumfeldes den vermeintlichen Nachteil des fehlenden Stellplatzes klar aufwiegt. Beispielsweise konnten die Grundstücke und Wohnungen in Freiburg-Vauban gleich mehrfach verkauft werden - so groß war die Nachfrage ! Wer mit der Befürchtung möglicher Wertminderung gegen autofreie Projekte ins Feld zieht, argumentiert ideologisch und gegen die Sachlage. Zu diskutieren sind die Standortbedingungen: Falls die ÖPNV-Anbindung ungenügend und die Fläche zu klein ist, wird -für Berlin zumindest- von autofreien Projekten abgeraten, denn autofrei lebende Haushalte nutzen in der Regel intensiv den ÖPNV und wollen die Qualitäten ihres Lebensstil auch in ihrem Umfeld genießen können ... 11.09.1996,
Berliner Zeitung:
02.02.1996,
Berliner Zeitung:
05.12.1995,
Berliner Kurier:
08.04.1995,
Berliner Zeitung:
Initiative für Autofreies Wohngebiet:aktuell: Arge Autofrei Wohnen in Berlin: Markus Heller, Arne Koerdt ehemals:
weitere Informationen, Links:Forschungsprojekt am "Zentrum Technik und Gesellschaft" der TU Berlin: Autofreies Wohnen in Berlin - Bedingungen für eine Realisierung autofreier Wohngebiete unter besonderer Berücksichtigung der Projekte Alter Schlachthof (Eldenaer Straße) und Lichterfelde-Süd Diplomarbeit
zum Thema autofreies Wohnen:
Kontakt
autofrei wohnen
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Seite: http://www.autofrei-wohnen.de/Berlin/EldProjekt.html
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17.
Oktober 2007
B.-Prenzlauer Berg: Eldenaer Straße Modellfoto
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