autofrei wohnen
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in Berlin-Friedrichshain und -Lichtenberg:
Projektidee autofreies und "autoarmes" Wohnen
Stralauer Halbinsel /
Rummelsburger Bucht
- aus politischen Gründen verhindert,
derzeit konventionelle Realisierung -
Steckbrief
Text: A. Koerdt (Februar 2000)
Ergänzung & Aktualisierung: M.Heller
Text downloaden: Rummautofrei.rtf (~35 KB) 

Lage, ÖPNV
Größe, Nutzungen
Entwicklung
Voruntersuchung
Regelungen Autofreiheit
Marktfähigkeit
Heute
Kommentar
Links Senatsplanung
Presse
Kontakt

Lage, ÖPNV
   Das Entwicklungsgebiet Rummelsburger Bucht liegt in den Bezirken Friedrichshain und Lichtenberg, ca. 5 km vom Alexanderplatz entfernt. Vom Teilbereich Stralauer Halbinsel zu den S-Bahnhöfen Ostkreuz und Treptower Park sind es im Durchschnitt 600 bis 700 m. Dort verkehren acht S-Bahnlinien. Durch das Gebiet fährt derzeit eine Buslinie.

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Größe, Nutzungen
   Das Areal sollte mit Wohnungen, Handelseinrichtungen, Dienstleistungen, Gewerbe und sozialer Infrastruktur bebaut werden. Zur Erhöhung der Wohnqualität war die Anlage von Grünflächen vorgesehen. Insgesamt sollten im Entwicklungsgebiet 5.400 Wohnungen und 12.000 Arbeitsplätze auf 130 ha errichtet werden. Allein im Bereich der Stralauer Halbinsel war auf einer Fläche von 45 ha die Errichtung von 2.600 Wohnungen in 5- bis 7-geschossigen Zeilenbauten sowie die Schaffung von 3.500 Arbeitsplätze geplant.

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Entwicklung - Wohnen ohne Auto
   Aufgrund der günstigen stadträumlichen Lage, der günstigen Rechtsform eines Entwicklungsgebietes (die Rechtsform eines Entwicklungsgebietes räumt der Kommune sehr weitgehende Steuerungsmöglichkeiten ein) und der als geeignet eingestuften ÖPNV-Erschließung entwickelte die Arbeitsgemeinschaft „Wohnen ohne Auto“ die Idee, in einem Teilbereich der Stralauer Halbinsel im Bezirk Friedrichshain ein autofreies Quartier zu entwickeln.

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Voruntersuchung
   Der Bezirk Friedrichshain sprach sich für eine autofreie/autoreduzierte Konzeption auf der Stralauer Halbinsel aus und gab ein Positionspapier zum Thema „Autofreies Wohnen auf der Stralauer Halbinsel“ in Auftrag. Dieses Positionspapier kam zu dem Schluß, daß eine autoreduzierte Konzeption die wirtschaftliche Verwertbarkeit der Wohnungen erhöhen und die Wohnqualität verbessern würde.

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Regelungen zur Autofreiheit
   Der Entwicklungsträger Rummelsburger Bucht (ERB) signalisierte daraufhin die Bereitschaft, den Bereich Stralauer Halbinsel autoarm zu entwickeln. Im Bereich der Stralauer Halbinsel sollte ein reduzierter Stellplatzschlüssel von 0,7 Stellplätzen je Wohneinheit (davon 0,2 Stellplätze/Wohnung für Besucher) zur Anwendung kommen. Die Gesellschaft für Informatik, Verkehrs- und Umweltplanung (IVU) wurde mit der Entwicklung eines Mobilitätskonzeptes beauftragt, in das im westlichen Teilbereich (Stralauer Stadt) auch ein autofreies Projekt integriert werden sollte. Das Mobilitätskonzept sieht vor, keine Stellplätze im öffentlichen Straßenraum auszuweisen, den Parkraum zu bewirtschaften, Anwohnerparken in der Umgebung einzuführen und Car-Sharing anzubieten.

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Marktfähigkeit, Investoren
   Wie beim Projekt Eldenaer Straße bezweifelte auch beim Entwicklungsgebiet Rummelsburger Bucht der Entwicklungsträger die Nachfrage nach autofreiem Wohnen. Obwohl die AG „Wohnen ohne Auto“ zu diesem Zeitpunkt bereits 400 Interessenten an einer autofreien Wohnung in diesem Bereich ausfindig gemacht hatte, wurde die Realisierung der autofreien Konzeption daher von einem entsprechenden Investoreninteresse abhängig gemacht. Die meisten Investoren der Miet- und Eigentumswohnungen in diesem Bereich zeigen kein Interesse am autofreien Wohnen. Sie forderten im Gegenteil einen erhöhten Stellplatzschlüssel.

   Mit der „Autofrei Wohnen GbR“ beteiligte sich jedoch auch ein ernsthafter Interessent an der Ausschreibung des Gebietes. Die aus der AG „Wohnen ohne Auto“ hervorgegangene Gesellschaft konnte sogar den geforderten Bonitätsnachweis erbringen. Statt der beantragten 150 Wohnungen erhielt sie jedoch nur 50 Wohneinheiten. Eine Garantie auf ein autofreies Umfeld wollte man der „Autofrei Wohnen GbR“ nicht geben. Daraufhin zog sich der führende Kopf der Gesellschaft nach München zurück, um dort ein autofreies Projekt (München-Riem) zu realisieren.

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Heute
   Inzwischen ist die Bebauung im Bereich des ursprünglich autofrei geplanten Bebauungsplanes V-14 realisiert worden. Die Erschließung des Gebietes erfolgte autogerecht. Einen autofreien oder autoarmen Bereich gibt es nicht.

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Kommentar autofrei-wohnen.de
   Man hat einfach ein konventionelles Viertel gebaut und darin, um Kosten zu sparen, einige Stellplätze weggelassen. Dann hat man das Ganze "autoarmes Wohnen" genannt. So ein Konzept ist nicht "autoarm", sondern ein schlechter Kompromiß, der von vornherein zum Scheitern verurteilt ist.

   Ein autofreies Stadtviertel (Begriffsdefinition) darf nicht von Anfang an halbherzig durchgeführt werden. Es muß bewußt konzeptioniert und entsprechend gebaut werden: Wenn wirklich autofrei lebende Haushalte angesprochen werden sollen, muß ihnen auch ein angemessenes Wohnumfeld geboten werden, da ist es mit einer leichten Reduzierung der Stellplätze nicht getan.
   Da sollten unter anderem
- private Autoverkehre aus dem Gebiet herausgehalten,
- die versiegelte Straßenfläche minimiert,
- der freiwerdende Raum attraktiv gestaltet,
- CarSharing in jedem Fall angeboten,
- Fahrradläden angesiedelt,
- bei ungenügender ÖPNV-Anbindung über eine kleine Mobilitätsagentur für Liefer- u.a. Service-Leistungen für die Bewohner/innen nachgedacht werden.
Und falls am Gebietsrand Stellplätze gebaut würden, müssten die autofreien Bewohner sicher sein können, daß diese Kosten nicht von ihnen (versteckt) mitgetragen werden.

   Vor allem müßte eine autofreie Konzeption offensiv vermarktet werden, wie jedes andere Wohnprojekt auch. Von selbst kommt kein Mensch auf die Idee, bei einem x-beliebigen Wohngebiet nachzufragen, ob es vielleicht autofrei oder autoarm sei - oder werden soll -, erst recht nicht, wenn man es ihm nicht einmal ansieht.

   Die Bewohner sind verärgert (siehe Presse), und offenbar gibt es Vermarktungsschwierigkeiten. Kein Wunder: Wenn mit 0,7 Stellplätzen pro Wohnung geplant wird, bedeutet das, daß es konventionelle, d.h. breite Straßen mit kaum vermindertem PKW-Verkehr geben wird. Dieses Konzept ist dann natürlich für autofrei lebende Menschen alles andere als ein überzeugender Anreiz dort wohnen zu wollen. Leute mit eigenem PKW wiederum werden sich ärgern, daß es am Straßenrand ein paar Stellplätze weniger als üblich gibt. Wenn Politiker solch ein Konzept für sinnvoll halten, ist das peinlich und ärgerlich. Wenn das Projekt "autoarm" genannt wird, drängt sich der Verdacht auf, daß nur bewiesen werden soll, daß diese Wohnform nicht funktioniert.

   Es muß vorher entschieden werden, ob man ein echtes autofreies Quartier entwickeln will oder nur ein autoarmes. In letzterem Fall stellt sich dann die Frage: Mit welchem Gestaltungs-, Regelungs- und Marketingkonzept will man den autoarmen Charakter erreichen ? Ist mit "autoarm" nicht stattdessen gemeint: stellplatzreduziert oder verkehrsreduziert, optisch autofrei (parken am Rand) oder einfach nur verkehrsberuhigt ?

   Wer also in der Rummelsburger Bucht wohnen möchte, wird ein Verkehrskonzept in Kauf nehmen müssen, das in dieser Form sowohl für autobesitzende als auch für autofreie Haushalte nachteilig ist. Das ist bedauerlich, eine wirklich autofreie Stralauer Halbinsel hätte eine idyllische Oase der Ruhe werden können, ein attraktives Gegenmodell zum Wegzug ins Umland.

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Links Senatsplanung
Berliner Entwicklungsgebiete
Wasserstadt Rummelsburger Bucht

www.wasserstadt.de

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Presse
Aktuelles zuerst
19.12.2005, Berliner Zeitung:
Mehr Parkplätze auf Stralau | FRIEDRICHSHAIN

08.01.2005, Berliner Morgenpost:
- EU-Geld für Stralauer Kiez-Marketing | Friedrichshain (auch in der Welt)
- Wandelhaftes Stralau | Die Halbinsel entwickelte sich vom einstigen Fischerdorf zum heutigen luxuriösen Wohnviertel Treptows

05.-11.01.2005, Berliner Abendblatt (Ausg. Friedrichshain):
BVG: Kaum Fahrgäste zur Halbinsel | Weniger Busse nach Stralau

06.12.2004, Berliner Morgenpost:
Öl verunreinigt Spree-Bucht | Sanierung in Rummelsburg kostet Berlin drei Millionen Euro - Arbeiten sollen im nächsten Jahr beginnen

22.09.2004, Berliner Morgenpost:
Wohnboote auf der Spree unerwünscht | Uferzone nicht geeignet - Bezirk ändert Konzept

09.08.2003, Berliner Morgenpost:
Ein Hauch von Venedig im guten alten Spreeathen?

15.02.2003, Der Tagesspiegel:
Auf zu neuen Ufern - Wo im 19. Jahrhundert Palmöl hergestellt wurde, entstehen nun Wohnlofts mit eigenem Schiffsanleger. Im Frühjahr ist Baustart

??.??.2003 (?), Berlin vis-à-vis, Ausgabe 14:
Wohnen am Wasser (PDF-Datei, 346 KB)

04.12.2002, Pressemitteilung Senatsverwaltung für Stadtentwicklung:
"Entwicklung der Berliner Wasserlagen vorgestellt" (Zitat: "Die Entwicklungsmaßnahmen (...) „Rummelsburger Bucht“ werden an die Nachfrage angepasst")

06.07.2001, Berliner Zeitung:
"Stralau verwüstet" (kurzer Bericht über schlechte Infrastruktur auf Stralauer Halbinsel)

11.01.2001, Tagesspiegel: 
"Leben neben der Überholspur | Nach mehreren vergeblichen Versuchen soll am östlichen Stadtrand Wohnen ohne Autos verwirklicht werden"

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15.08.2000, Berliner Zeitung
"Es fehlen Geschäfte und Gaststätten - Die neuen Bewohner der Halbinsel Stralau klagen über die schlechte Infrastruktur"

01.03.1999, Berliner Zeitung:
Quartiersmanagement ist nur "Notstandspolitik" | Professor kritisiert Senat | SPD-Kongreß über die Berliner Stadtentwicklung (u.a. Kritik am Senat wegen Verhinderung der autofreien/-armen Projekte)
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30.09.1997, Berliner Zeitung:
Autofreies Wohnen | Berlin im Rückwärtsgang | Chancen für autoarme Wohngebiete sinken | Projekt Rummelsburger Bucht jetzt auch gescheitert (Dienstanweisung gegen autofreie Stadtviertel)

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12.12.1996, Berliner Zeitung:
Autofreies Wohnen ist nicht gefragt | Mangelndes Interesse läßt Projekt scheitern
Kommentar autofrei-wohnen.de:
   In dem Artikel wird behauptet, daß die zukünftigen Besitzer von Eigentumswohnungen eine Wertminderung aufgrund des autofreien Konzeptes (kein eigener Stellplatz) befürchten, was wiederum Investoren abwinken läßt.

   Heutige Erfahrungen von autofreien Neubau-Projekten bestätigen dies nicht: Das Thema Wertminderung war fast nirgends thematisiert worden. Eigentlich überall und von allen Beteiligten - den Investoren autofreier Gebiete und auch Banken und Baufinanzierern - wird jetzt gesehen, daß die erhebliche Aufwertung des Wohnumfeldes den vermeintlichen Nachteil des fehlenden Stellplatzes klar aufwiegt. Beispielsweise konnten die Grundstücke und Wohnungen in Freiburg-Vauban gleich mehrfach verkauft werden - so groß war die Nachfrage !

   Wer mit der Befürchtung möglicher Wertminderung gegen autofreie Projekte ins Feld zieht, argumentiert ideologisch und gegen die Sachlage. Zu diskutieren sind die Standortbedingungen: Falls die ÖPNV-Anbindung ungenügend und die Fläche zu klein ist, wird -für Berlin zumindest- von autofreien Projekten abgeraten, denn autofrei lebende Haushalte nutzen in der Regel intensiv den ÖPNV und wollen die Qualitäten ihres Lebensstil auch in ihrem Umfeld genießen können ...

08.04.1995, Berliner Zeitung:
Niemand würde von Abgasen belästigt | Senat untersucht vier Standorte für "Wohnen ohne Auto" | Entscheidungen stehen noch aus (Senats-autofrei-Untersuchung für potentielle Standorte u.a. in Treptow, Marzahn, Prenzlauer Berg, Steglitz)

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Kontakt, Information

Kontakt:
Arge Autofrei Wohnen in Berlin: Markus Heller, Arne Koerdt
Diplomarbeit zum Thema autofreies Wohnen
"Planung und Ralisierung autoarmer und autofreier Quartiere - Ein Konzept zur Verringerung verkehrsbedingter Probleme-" (TU Berlin, Okt. 1999)
von Arne Koerdt

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Logo Autofreies Stadtviertel an der Panke

Kontakt autofrei wohnen
Architekturbüro Heller

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12. Dezember 2006
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