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In dieser Wohnanlage sind Autos tabu

In der Gartenstadt Falkenberg entsteht einmaliges Projekt
 
Von Petra Mues

Treptow - Die Chancen für Berlins erste autofreie Wohnanlage stehen gut. In einem Teilbereich der Gartenstadt Falkenberg im Treptower Ortsteil Bohnsdorf plant die Bau- und Wohnungsgenossenschaft von 1892 (BBWo 1892) eine kleine Siedlung mit 54 Wohnungen, in denen Autos verboten sind. «Zielgruppen orientiert bauen» nennt BBWo 1892 Vorstandsmitglied Hans-Jürgen Hermann das Vorhaben. Die Idee dazu stamme von den Genossenschaftsmitgliedern und sei bereits vor acht Jahren geboren worden. 40 von ihnen hätten bereits großes Interesse geäußert, so Hermann.

Am östlichen Rand, in Hanglage und Blick auf den Falkenberg, sind die Drei- und Vier-Zimmer-Wohnungen geplant. «Wir haben uns für diese Lage entschieden, weil dort der Verkehr am besten abgeschirmt werden kann», informiert Sylvia Walleczek, Projekt- und Sozialmanagerin bei BBWo 1892. Daneben seien die S-Bahnhöfe Altglienicke und Grünau zu Fuß zu erreichen. Für die Bewohner, die ein Auto besitzen, sind Stellplätze in den Nachbarwohnanlagen vorgesehen.

Das Berliner Architekturbüro Abcarius & Burns hat die Pläne für die Häuser entworfen. «Die Grundrisse sind durchdacht und Winkelbauten lassen die Häuserzeilen auch nach außen hin ansprechend erscheinen», erläutert Sylvia Walleczek die Bauweise.

Auch die Kostenverhandlungen laufen noch. Vorstandsmitglied Hermann ist aber zuversichtlich, dass Käufer oder Mieter gefunden werden. Karin Dietz, Geschäftsführerin der Projektgruppe Gartenstadt Falkenberg, hofft und ist zuversichtlich, dass der erste Spatenstich für die «autofreie» Siedlung im Herbst 2001 erfolgen kann.

«Baustart für die ersten 20 Häuser und 50 Wohnungen auf dem insgesamt 16 Hektar großen Gelände am Falkenberg war vor gut einem Monat», so Karin Dietz. Im April seien sie bezugsfertig. In mehreren Abschnitten sollen auf dem Areal zwischen Paradiesstraße im Westen, Grottewitzstraße im Süden und Gartenstadtweg im Osten sowie dem S-Bahnhof Altglienicke im Norden 700 Wohneinheiten entstehen.

«150 Doppel- und Reihenhäuser werden darunter sein», informiert Geschäftsführerin Dietz. Bauherr dieser Häuser ist das Petruswerk, eine katholische Wohnungsgenossenschaft.

Die Fläche wird durch eine drei Hektar große Parkfläche, die in ost-westlicher Richtung verläuft, unterteilt. «Wir wollen eine zeitgemäße Interpretation der Gartenstadt-Idee, die Bruno Taut in den 20er-Jahren in der Nähe verwirklichte, realisieren», so BBWo-Vorstand Hans-Jürgen Hermann das Bauprojekt Falkenberg.

In einem städtebaulichen Vertrag ist der Bau von zwei Kitas und einer Schule festgelegt. «Insgesamt werden in der Gartenstadt etwa 300 Millionen Mark verbaut», hat Karin Dietz errechnet. Allein ein Sechstel dieses Betrages sind für Kindertagesstätten und die Schule eingeplant. Von 2005 an sollen in der Siedlung rund 2000 Menschen leben - teilweise ganz ohne Auto.


Berliner Morgenpost, vom: 20.12.2000