autofrei wohnen  carfree living
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... und planen  ... and planning
Standortkriterien
für (neue) autofreie Wohnprojekte
criterias of the site for (new) carfree projects

1. unverzichtbare Voraussetzungen:
Initiierung
Nachfrage & Marktfähigkeit
Lage
Verkehrsanbindung
Neubau
Investoren
2. wichtige Voraussetzungen:
Politik
Grundstücksgröße & -zuschnitt
Verwaltung
Verfügbarkeit & Nutzungskonflikte
Besitzverhältnisse
3. sonstige begünstigende Voraussetzungen:
Kristallisationspunkte
Zeitfenster
Förderprogramme
Rechtslage
Presse
4. fallspezifische Voraussetzungen:
Infrastruktur
5. keine Voraussetzungen:
Klima
Topographie
Gesellschaftlicher Reichtum (Landesökonomie)

Kontakt

1. unverzichtbare Voraussetzungen
Initiierung
Person oder Gruppe, die die Idee intensiv verfolgt und ein (z.T. informelles) Netzwerk von engagierten Akteuren aus möglichst vielfältigen Bereichen (Planung, NGOs/Öffentlichkeitsarbeit, Politik, Verwaltung) gründet.

Nachfrage, Marktfähigkeit
Möglichst hoher Anteil autofreier Haushalte (in größeren Städten: bis zu 50%)

Verschiedene Untersuchungen in Deutschland haben in großen Städten ein ausreichendes Nachfragepotential für ein autofreies Quartier mit mehreren hundert Einwohnern nachgewiesen. Die realisierten Projekte haben keine Vermarktungsprobleme. Von einer Marktstudie kann daher in größeren Städten abgesehen werden.

Lage
Innenstadtlage: „Stadt der kurzen Wege“ (Arbeit, Einkauf, Infrastruktur, Freizeit, Kulturangebote).

Verkehrsanbindung
Gute bis optimale ÖV-Angebote (U-/S-Bahn, Straßenbahnen, Busse, Nachtlinien etc) in der Nähe.

Weiterhin günstig: ein Fußgänger- & radfahrerfreundliches Umfeld.

Neubau
Offensive Vermarktung an autofreie Zielgruppe möglich (und erforderlich!).

Problem bei der Transformation bestehender konventioneller (autogerechter) Quartiere: vorhandene Bewohner mit PKW blockieren möglicherweise eine autofreie Entwicklung.

Investoren
Bei größeren Projekten ist die Beteiligung von Wohnungsbauunternehmen unverzichtbar. Wie bei jedem anderen Investitionsvorhaben auch erwarten die autofreien Investoren, daß Politik und Verwaltung ihnen den "Roten Teppich" ausrollen!

Sinnvoll ist in jedem Fall eine Diversifikation des Wohnungsangebotes: Mietwohnungen, Eigentumswohnungen, genossenschaftliche Wohnmodelle, Investorenangebote für Baugruppen (zur Miete) sowie "echte" Eigentümer-Baugruppen, unterschiedliche Grade des Selbstausbaus, etc ...

Die Möglichkeit von baulicher Selbsthilfe ("Selbsthilfe-Häuser" ohne Investoren) ist nur für kleinere Projekte von größerer Relevanz, oder wenn sie von der Verwaltung intensiv unterstützt wird.

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2. wichtige Voraussetzungen:
Politik
(für Berlin ebenfalls eine unverzichtbare Voraussetzung)
Autofreie Parlamentsbeschlüsse signalisieren Investoren, daß sie willkommen sind. Die jeweilige Stadt-/Landes-/Staatsregierung sollte öffentlich, d.h. in ihren Selbstdarstellungen (z.B. Internet, Immobilienmessen) ihre grundsätzliche Unterstützung zunächst auch jenseits von finanziellen Förderprogrammen für autofreies Wohnen bekunden (Beispiele Großbritannien, Nordrhein-Westfalen oder London-Camden).

Sie sollte durch eine umweltgerechte Stadtentwicklungs- und Verkehrspolitik (z.B. Radverkehrsförderprogramme, neue Fußgängerzonen und Spielstraßen, Einrichtung einer "autofrei"-Verwaltungsabteilung, autofreie Sonntage, flächenhafte Parkraumbewirtschaftung oder City-Maut, Stellplatzfreiheit für Neubauten analog §48 BauO Berlin) unterstreichen, daß sie an einer tatsächlich ökologischen Stadtentwicklung ernsthaft interessiert ist.

Die Einbindung möglichst aller Parteien sollte angestrebt werden, eine parteipolitische Identifizierung des Projektes ist zu vermeiden. Am Ende wollen manchmal sogar auch die anfänglichen Bedenkenträger und Gegner autofrei wohnen!

Größe & Zuschnitt des Grundstücks
Die Entwicklung und das Erlebnis von autofreien Wohnumfeldqualitäten ist erst bei einer größeren Fläche möglich. Ein eigener Stadtviertel-Charakter kann bereits bei einer Mindesttiefe des Grundstücks von ca 150 Meter und einer Gesamtfläche ab ca 5 ha (50.000 qm) entstehen. Schlauchförmige "Handtuchgrundstücke" sind fast immer ungeeignet.

Ein autofreies Grundstück sollte möglichst kompakt geschnitten sein, um die Länge der Ränder zu verringern, da diese in der Regel von Straßen verlärmt sind. Die Lärmbelastung sollte sich auf 1 Seite beschränken.

Bei einem kleinerem Grundstück verbleiben lediglich finanzielle und infrastrukturelle Vorteile.

Verwaltung
Positive Haltung erforderlich: Investoren ziehen sich oft schnell zurück, sobald sie merken, daß ihnen Steine in den Weg gelegt werden (Vorabgespräche mit Investoren, Kooperation/Abstimmung während der Planung, später Erteilen von Baugenehmigungen).

Verfügbarkeit, Nutzungskonflikte
Das Grundstück muß für eine Bebauung zur Verfügung stehen, oder diese kurzfristig ermöglicht werden.

Es darf keine Nutzungskonflikte mit konkurrierenden Planungen oder Anforderungen seitens der Bauleitplanung (Flächennutzungs-, Bebauungsplanung) geben, die die Entwicklung um Jahre verzögern, oder diese Konflikte müssen kurzfristig lösbar sein.

Besitzverhältnisse des Grundstücks
Das Vorhandensein möglichst wenig verschiedene Eigentümer des Grundstücks erleichtert den Grundstückskauf (Verhandlungen mit nur wenigen Eigentümern).

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3. sonstige, begünstigende Voraussetzungen:
Kristallisationspunkte
zielgruppenadäquates Image des umgebenden Quartiers („Szene-Viertel“ etc.),
benachbarte reizvolle Naturräume, kulturelle Institutionen oder größere Arbeitgeber steigern die Attraktivität des Grundstückes. Auch die Geschichte des Ortes kann inspirierend sein!

Zeitfenster
Günstige Konstellation nutzen (Personal in Politik und Verwaltung; allgemeine wirtschaftliche Lage).

Förderprogramme
Autofreie Projekte sind in der Regel in jeder Stadt Pilotprojekte und rechtfertigen daher die Inanspruchnahme von Fördermitteln, insbesondere für 
- den Prozeß der Initiierung,
- ökologisches Bauen (Solarförderung etc.) und 
- partizipative Verfahren (Baugruppen, Bürgerbeteiligung, Agenda-Prozeß).

Rechtslage
Auch trotz i.d.R. ungünstiger Stellplatzverordnungen in den deutschen Bundesländern bietet sich grundsätzlich die Möglichkeit von „Ausnahmen“ und „Befreiungen“. Notfalls können Gesetze auch geändert werden.

Presse
Die Presse profitiert von einem autofreien Projekt, über das sich über Jahre hinweg immer wieder spannende Reportagen schreiben lassen ...

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4. fallspezifische Voraussetzungen:
Infrastruktur
Für kleinere Projekte ist das Vorhandensein einer kompletten städtischen Infrastruktur in der direkten Nachbarschaft (Einzelhandel, Dienstleistungen, Kultur, Erholung, Sport) erforderlich.

Größere autofreie Projekte können von einer nicht vorhandenen Infrastruktur profitieren, indem sie diese auf ihrem Grundstück selbst bereitstellen und damit ein Defizit in der Nachbarschaft beheben. Dies kann sogar den autofreien Charakter des Projektes stabilisieren, wenn die erforderlichen Einrichtungen in Randlage positioniert gleichzeitig zur Lärm-Abschirmung des autofreien Wohnbereiches benutzt werden. 

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5. keine Voraussetzungen:
Klima
Autofrei wohnen funktioniert in allen bewohnten Klimazonen.

Topographie
Erscheinen Berge als Hindernis, sind sie andernorts geradezu Ursache eines autofreien Viertels.

Gesellschaftlicher Reichtum, Landesökonomie
In ärmeren Orten mag die Autofreiheit ungewollt sein. In der „postmateriellen Gesellschaft“ ist sie ein Trend.

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autofrei wohnen
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Architekturbüro Heller

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28. Juli 2004
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Ausstellung exhibition:
Autofreies Leben in Europa
.Carfree Life In Europe

Berlin-Mitte größer/larger
(Galerie bei sujet.design)